Skisport in Klingenthal

Aus "Willkommen im Vogtland" Nr.2/97 FVV Vogtland e.V. sowie Info-Blatt der Entwicklungsgesellschaft mbH Klingenthal von Herrn Joachim Glaß

Skispringer1

Die Eigenart der Gebirgslandschaft haben seit Anfang diesen Jahrhunderts den Wintersport in Klingenthal / Mühlleithen heimisch werden lassen. Durch namhafte Skispringer, Langläufer und Nordisch Kombinierte wurde unser Ort national und international bekannt.

Skispringer3 Der sportliche Skilauf ist erst rund l50 Jahre alt und hat seine Heimat in Norwegen. 1986 hätte man in Klingenthal ein 100-jähriges Jubiläum feiern und überschwenglich sogar von einem Jahrhundertereignis sprechen können, denn 1886 wurde hier das erste Paar Ski gebaut. Ein Vorgang mit Folgen, wie man weiß. Oberlehrer Erwin Beck, ein von der Notwendigkeit körperlicher Ertüchtigung überzeugter Mann, ließ sich nach einer Abbildung ein Paar Ski bauen, und dies darf als die Geburtsstunde des Skilaufes für unser Klingenthaler Gebiet gelten. In einer Darstellung (»Der Winter« v. Januar 1929) liest man:
»... Das Werden des Skilaufs in unserer Heimat ist ganz und gar verknüpft mit der Person unseres Oberlehrers Erwin Beck, der unser erster Skiläufer war und heute (1929) unser ältester ist.« 1893 gab er, so heißt es weiter, den ersten Unterricht im Skilauf, unterstützt von einem seiner Lehrerkollegen, dem späteren Professor Ernst Lepetit. Beide waren auch dem Turnen in Klingenthal aktiv verbunden.

Um die Jahrhundertwende begann sich der Skisport organisiert zu entwickeln. 1908 wurde der WSV Klingenthal gegründet, dem 1922 der WSV Aschberg und 1924 der WSV Mühl-leithen folgten. Reinhold Glaß war der erste Klingenthaler, der durch sein Können auf sich und Klingenthal außer-halb der engeren Heimat aufmerksam machte. Er ist im ersten Weltkrieg gefallen. Die erste im Klingenthaler Dürrenbachtal 1913 erbaute Schanze heute eine kleine Anlage trägt seit 1920 seinen Namen. In den 20er Jahren wurde ein junger Mann vom Aschberg zum Markenzeichen des Klingenthaler Skisports, Walter Glaß I, der Bruder des schon genannten Reinhold Glaß.

Aschbergschanze unter Flutlicht   Walter war 1928 in St. Moritz der erste Klingenthaler bei Olympia. Er war Sachsenmeister, schweizer und österreichischer Meister, Meister von Tirol und deutscher Vizemeister - und dies zum Teil mehrmals. Er gehörte zu den herausragenden Mitteleuropäern, die den dominierenden Skandinaviern starke Konkurrenten waren.
Wegen dieser, seiner »Auffälligkeit in der Leistung« und in deren Anerkennung wurden die Deutschen Skimeisterschaften 1929 in das Klingenthal-Aschberggebiet vergeben. Damit rückte Klingenthal aus der skisportlichen Provinz in die Reihe der namhafteren Skisportplätze auf, was in der Folge-zeit auch durch die sportlichen Erfolge unserer Läufer und Springer bekräftigt wurde: Kurt Körner, Zwölfter im Spezialspringen der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen. Paul Schneidenbach, 1937 deutscher Sprunglaufmeister vor seinem Vereinskameraden Max Meinel vom WSV Aschberg, Hans Leonhardt aus Mühlleithen 1931 und 1936 Sachsenmeister und 1941 deutscher 50 km-Meister, Willy Warg und Walter Glaß II deutscher Meister 1938 in Sachsen, 4x10 km-Staffel u.v.a

 

Der Zweite Weltkrieg forderte Opfer, auch unter unseren Skisportlern - sie sind unvergessen. Schwere Nachkriegsjahre ermöglichten erst ab 1949 in Klingenthal und spätestens ab hier muß, wer Klingenthal sagt, auch Mühlleithen dazu sagen, einen neuen Anfang mit Erfolgen im Gebiet der damaligen DDR: Herbert Leonhardt aus Mühlleithen wird in Oberhof vierfacher Meister. Herbert Friedel vom Aschberg holt im Jahr darauf den Meistertitel. Mit anderen sind sie bei den Ski-WM 1954 in Falun dabei; als unser Bester: Herbert Friedel, 19. der Nord. Kombination. 1956 erstrahlt ein neuer Stern: Harry Glaß gewinnt in der ersten gesamtdeutschen Olympiamannschaft die Bronzemedaille im Skispringen. Es ist die erste olympische Medaille im nordischen Skisport für einen Deutschen. Seither sind Klingenthaler Skisportler stets bei Olympischen Winterspielen und Skiweltmeisterschaften erfolgreich dabeigewesen. Harry Glaß 1956

 

Skispringer4   1957 wurde der SC Dynamo Klingenthal gegründet. Große Erfolge errangen Sportler dieses Clubs, die zwar nicht alles gebürtige Klingenthaler waren, aber den Klingenthaler Skisport und unsere Heimat eindrucksvoll vertraten, so Gert-Dietmar Klause aus Reumtengrün, Matthias Buse aus der Lausitz, Gerd Heßler aus Tannenbergsthal, Heinz Wosipiwo aus Sohl, Manfred Deckert und Thomas Abratis aus Johanngeorgenstadt, Gunter Schmieder aus Marienberg, Heiko Hunger und die Brüder Uwe und Thomas Prenzel aus Sebnitz, Ralph Leonhardt aus Hammerbrücke...
»Echte« Klingenthaler aber sind sie: Marlies Rostock, die Goldmedaillengewinnerin (Staffel) der Olympischen Spiele 1980, Klaus Ostwald, der Skiflugweltmeister von 1983, Uwe Dotzauer, der Mannschafts-Weltmeister (NK) von 1982 und Andreas Kunz, Bronzemedaillengewinner (NK) 1968. Anni Mann und Christel Meinel-Buse, Staffel -Vizemeisterin 1970 bzw. 1978, Dieter Meinel, Staffelweltmeister 1974, und Henry Glaß, der bei Olympia (Bronze 1976) und Weltmeisterschaften (Skifliegen 1977, Bronze, Normalschanze 1978, Silber), erfolgreich war und heute wie Uwe Dotzauer u.a. als Trainer im Deutschen Skiverband tätig ist.

 

Unsere Aschbergschanze, von 1959 bis 1988 in Betrieb, steht nicht mehr. Auf dieser Schanze fand u.a. 1986 das erste Weltcup-Springen in der damaligen DDR statt, genauso, wie beim Internationalen Damenskirennen, wo sogar Weltcup-Premieren stattfanden: 1973 erstmals gelaufen die 4x5-km-Staffel, anstatt der bis dahin 3x5 km, und 1989 waren es die 30 Kilometer, die in Mühlleithen Weltcup-Premiere hatten. 1921 hatte Klingenthal mit den Sachsenmeisterschaften eine erste organisatorische Bewährung, 1929 waren die Deutschen Skimeisterschaften eine große Aufgabe, die nach DSV-offizieller Darstellung glänzend gemeistert wurde, wie ebenso später oftmalig DDR-Meisterschaften aller Altersklassen. Seit 1965 war Klingenthal/Mühlleithen Ausrichter des Internationalen Damenskirennens, das nicht zuletzt durch seine organisatorische Qualität von der Einführung 1979 ab Weltcuprennen im Programm hatte - und davon gab es weltweit jährlich nur neun.
Klingenthal/Mühlleithen bringt sich mit Tradition und Erfolgen in die große deutsche Skifamilie wieder ein.
  Aschbergschanze 1960

Aber, es ist trotzdem ein Neubeginn.

 

Klingenthal mit Ortsteil Mühlleithen ist heute Ausrichter nationaler und internationaler Skisport - Veranstaltungen. Höhepunkte der Saison sind u.a. die Veranstaltungen im B - Weltcup der Nordischen Kombination und zahlreiche Nachwuchswettkämpfe auf Landes und Bundesebene. Aber auch Volkssportveranstaltungen mit internationaler Beteiligung, wie z.B. der Kammlauf (Skilanglauf im klassischen und freien Laufstil über 10, 25 und 50 km) finden zuspruch bei vielen Anhängern der weißen Pracht.

Nach 15 langen Jahren erhält Klingenthal ein neues Wahrzeichen. Im Sommer 2005 findet der Weihesprung für den Stolz und die Hoffnung aller Wintersportfreunde der Region statt: Die neue Großschanze im Schwarzbachtal, die "Vogtlandarena", die für die meisten Klingenthaler wohl immer die "neue Asch" heißen wird.

 

    Klingenthaler Medaillen-Gewinner

            Bei Olympischen Winterspielen und Ski-Weltmeiserschaften

Skispringer2 Harry Glaß
Bronzemedaille
Spezialspringen
Olympische Winterspiele
1956 Cortina d'Ampezzo
Italien
Andreas Kunz
Bronzemedaille
Nordische Kombination
Olympische Winterspiele
1968 Grenoble/Frankreich
Gerd Heßler
Silbermedaille 4x10 km Staffel
Weltmeisterschaft
1970 Strbske Pleso/CSSR
Goldmedaille 4x10 km Staffel
Weltmeisterschaft
1974 Falun/Schweden
Gert-Dietmar Klause
Silbermedaille 4x10 km Staffel
WM 1970 Strbske Pieso/CSSR
Goldmedaille 4x10 km Staffel
WM 1974 Falun/Schweden
Silbermedaille 50km Langlauf
Olympische Winterspiele
1976 Innsbruck/Österreich
Anni Unger
Silbermedaille
3x5 km Staffel
Weltmeisterschaft
1970 Strbske Pleso/CSSR
Gabriele Haupt
Silbermedaille
3x5 km Staffel
Weltmeisterschaft
1970 Strbske Pleso/CSSR
Günter Deckert
Silbermedaille
Nordische Kombination
Weltmeisterschaft
1974 Falun/Schweden
Dieter Meinel
Goldmedaille 4x10 km Staffel
Weltmeisterschaft
1974 Falun/Schweden
Heinz Wosipiwo
Silbermedaille Skifliegen
Weltmeisterschaft
1972 Planica/Jugoslawien
Silbermedaille Großschanze
Weltmeisterschaft
1974 Falun/Schweden
Henry Glaß
Bronzemedaille Großschanze
Olympische Winterspiele
1976 Innsbruck/Österreich
Bronzemedaille Skifliegen
WM 1977 Vikersund/Norwegen
Silbermedaille Normalschanze
WM 1978 Lahti/Finnland
Christel Meinel
Silbermedaille
4x5 km Staffel
Weltmeisterschaft
1978 Lahti/Finnland
Marlies Rostock
Silbermedaille
4x5 km Staffel
WM 1978 Lahti/Finnland
Goldmedaille 4x5 km Staffel
Olympische Winterspiele
1980 Lake Placid/USA
Matthias Buse
Goldmedaille Normalschanze
Weltmeisterschaft
WM 1978 Lahti/Finnland
Silbermedaille Mannschaft
Spezialspringen
WM 1984 Engelberg/Schweiz
Manfred Deckert
Silbermedaille Normalschanze
Olympische Winterspiele
1980 Lake Placid/USA
Bronzemedadle Mannschaft
Spezialspringen
WM 1985 Seefeld/Österreich
Uwe Dotzauer
Bronzemedaille Einzel
Goldmedaille Mannschaft
Nordische Kombination
Weltmeisterschaft
1982 Oslo/Norwegen
Frank Schröder
Bronzemedaille
4x10 km Staffel
Weltmeisterschaft
1982 Oslo/Norwegen
Gunter Schmieder
Goldmedaille Mannschaft
Nordische Kombination
Weltmeisterschaft
1982 Oslo/Norwegen
Stefan Schicker
Bronzemedaille
4xl0 km Staffel
Weltmeisterschaft
1982 Oslo/Norwegen
Ralf Adloff 1997 Klaus Ostwald
Goldmedaille Skifliegen
WM 1983 Harrachov/CSSR
Bronzemedaille Mannschaft
Spezialspringen
WM 1984 Engelberg/Schweiz
Bronzemedaille Mannschaft
WM 1985 Seefeld/Österreich
Ralph Leonhardt
Bronzemedaille Mannschaft
Nordische Kombination
Weltmeisterschaft
1989 Lahti/Finnland
Thomas Abratis
Bronzemedaille Mannschaft
Nordische Kombination
Weltmeisterschaft
1989 Lahti/Finnland
Heiko Hunger
Bronzemedaille Mannschaft
Spezialspringen
Weltmeisterschaft
1991 Val di Fiemme/Italien
Björn Kircheisen

WSV 08 Johangeorgenstadt

Silbermedaille Mannschaft
Nordische Kombination
Olympische Winterspiele
2002 Salt Lake City/USA

Silbermedaille
Gundersen und Mannschaft
Nordische Kombination
WM 2005
Oberstdorf, Deutschland

Silbermedaille
Mannschaft
Nordische Kombination
WM 2003
Val di Fiemme, Italien

Silbermedaille
Mannschaft
Nordische Kombination
Olympische Spiele 2006
Torino, ITA

Trainiert im LLZ Klingenthal

Marcel Hölig

WSV Oberhof
Silbermedaille Mannschaft
Nordische Kombination
Olympische Winterspiele
2002 Salt Lake City/USA

Marcel begann hier mit dem Skisport. Er fühlt sich auch heute noch als Klingenthaler, sein Erfolg wäre aber unter den hiesigen Rahmenbedingungen nicht möglich gewesen.

Viele werden hier Sven Hanawald vermissen. Der Manschaftsweltmeister, olympische Silber- und Goldmedaliengewinner und zweifache Skiflugweltmeister stammt ja auch aus der Region und hat in Klingenthal trainiert. Aber er sieht sich als Schwarzwälder und hat mit dem Thema Klingenthal schon lange abgeschlossen! Die Gründe kenne ich nur vom Hörensagen. Wir müssen das nun einmal respektieren. 

 

Anschriften:

Vogtländischer Skiclub Klingenthal
Floßgrabenstraße 1
08248 Klingenthal
 
Kammloipe
VSC Klingenthal
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